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Australien 3 – Canberra

So, ein paar Worte von Tomi zum Auto, damit ihr auch wisst, womit wir unterwegs sind :

Der Vorbesitzer nannte ihn Rudi, wir haben uns gedacht, diesen Namen übernehmen wir, aber nachdem er erst zum Service musste und wir nicht wussten was uns an Reparaturen erwartet, meinte die Marlies, aus dem Rudi könnte auch eine Rosi werden, falls der Kauf sich als Fehlinvestition herausstellt. Im Service erneuerten wir die Reifen, den Zahnriemen und ließen die Frontscheibe abdichten, was sich nach dem ganzen Regen als richtig herausstellte. Gott sei Dank hat nichts Gröberes gefehlt, da er mit 11 Jahren auch nicht mehr der Jüngste ist. Aber man hat uns versichert, dass er  mit 437.000  km gerade eingefahren ist.

Er erinnert mich an meinen ersten VW LT 31, 75 PS, war zu der Zeit, als ich ihn kaufte, im Straßenverkehr keine Rakete mehr, alte Brennerstraße, erst kam ich und dann hinter mir eine lange Schlange, ich durchgeschwitzt gejagt von LKW’s.

Aber es ist ein lässiges Fahren, alles bewegt sich zwischen 1000 und 2000 Umdrehungen, also Traktorverhalten, klettert auf Schotter jede Steigung und das ohne Allrad, was ist erst mit Allrad möglich, ich glaube, das wollen wir gar nicht wissen. Steigung auf der Autobahn hat er auch super gemeistert, teilweise im 2. Gang mit 40 Km/h !!!!!!! Er hat aber auch zu schleppen, uns 2 Dicke, 180 Liter Diesel, 40 Liter Wasser usw.

So, es heißt nicht Rudi (wir wollten ihn nicht so nennen), Rosi ist er keiner geworden, also heißt er einfach Toyota, ganz einfach.

Und jetzt ein paar Anmerkungen von Daggi:

Ich hab jetzt schon Rücken! Stehhöhe hat er nur hinten beim Einstieg, unter dem oberen Bett kann nur ich aufrechtsitzen und wenn ich was aus dem Kühlschrank hole, geht das nur gebückt. Aber ich hab mich schon dran gewöhnt. Die Kasterl hab ich, glaube ich, schon fünf Mal umgeräumt, allmählich ist alles praktisch und einigermaßen griffbereit untergebracht. Tomi schläft oben mit einem von unseren Trolli-Rucksäcken und ich unten auf der Sitzbank. Dafür müssen unsere 2 Klamottenkisten erst auf den Vordersitz gehievt werden. Es gibt eine Spüle mit Wasserhahn zum Pumpen, einen Gaskocher, den man zum Kochen erst aufbauen muss und zum Pinkeln müssen wir immer raus. Aber wir schlafen trocken und sicher, alles, was wir so brauchen, ist untergebracht und wir können stehen bleiben, wo wir wollen.

Sonntag, 05.03.2017

Sonntag ist Renntag. Nachdem wir schon so nah bei der Pferderennbahn stehen, gehen wir nachmittags zum Rennen. Schon beim dortigen Parkplatz wird uns klar, dass wir nicht passend gekleidet sind. Die Männer im Anzug, die Frauen aufgetakelt mit schönen Kleidern, Hüten und High Heels. Aber sie lassen uns trotzdem rein, drinnen gibt’s für uns genug zum Staunen. Es ist wie eine große Party. Zwei Bands spielen zwischen den Rennen, es wird getanzt und vor allem getrunken. Jeder hat ein Bier oder die Frauen eine Flasche Sekt in der Hand. Und einige wanken schon nachmittags. Bei der Ausfahrt vom Parkplatz muss jeder Fahrer durch die Alkoholkontrolle von der Polizei.

Es gibt eine Modenschau, bei der das ausgefallendste Outfit prämiert wird. Manche sind angezogen wie im Fasching. Und wir mitten drin mit kurzen Hosen und Trekkingsandalen.

Dazwischen gibt es natürlich die Pferderennen, erst wird gewettet, dann schaut man nebenbei das Rennen. Für uns ist es spannend, Tomi ist das erste Mal auf der Rennbahn, bei mir werden Kindheitserinnerungen wach. Das Wetter passt, es ziehen ein paar Wolken auf, aber es ist warm. Das 6. Rennen ist der Canberra-Cup, der Sieger ist eine Nasenlänge vorn und gewinnt 110.000 AUD, das sind 80.000€. Vor dem nächsten Rennen stehen alle Zuschauer auf und singen die Nationalhymne. Dann läuft das Mercedes-Benz Opal Rennen. Hier gewinnt der Sieger mit einer ganzen Länge Vorsprung und erhält 350.000 AUD, dass sind 250.000€. Leider fängt es an zu regnen und wir können nur von der Tribüne aus zuschauen.

Montag, 06.03.2017

Heute steht die Besichtigung von Canberra auf dem Programm. Mit dem öffentlichen Bus fahren wir in die Innenstadt. Canberra ist die Hauptstadt von Australien mit 357.000 Einwohnern. Sie wurde ab 1913 gebaut und ist Sitz der Ministerien, Verwaltungen und Gerichte. Die Stadt liegt an einem aufgestauten Fluss, hat lauter gerade breite Straßen und einige Ringstraßen. Große Gebäude und nur eine kleine Zone mit Geschäften und Restaurants. Insgesamt kommt uns die Stadt ein bisschen tot vor, wenig Verkehr und keine netten Ecken zum Verweilen. In der Fußgängerzonen hängen viele Bettler rum, wir tauschen die Zweitbatterie der Kamera um und kaufen eine neuen Topf. Dann bringt uns der Bus zum Nationalmuseum, ein ausgefallener Bau am See. Hier geht es um die Geschichte Australiens, sehr interessant, aber etwas unübersichtlich von den Räumlichkeiten her. In Canberra können alle Museen kostenlos besucht werden.

Dienstag, 07.03.2017

Tomi hat im Internet unseren nächsten Platz ausgesucht. Er liegt ungefähr 40 km westlich von Canberra im Brindabella-Nationalpark. Auf dem Weg dorthin kommen wir noch am neuen Parlamentsgebäude vorbei. Von außen sehr futuristisch, zum Besichtigen müssen wir durch eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen. Die Innenräume sind sehr schön, mit tollen Hölzern und Marmor gestaltet.

Wir füllen in einem Supermarkt unsere Vorräte auf und fahren auf einer kleinen, guten Straße mit kaum Verkehr Richtung Nationalpark. Mittagspause machen wir an einem Flüsschen, sehr idyllisch.

Und dann hört die geteerte Straße urplötzlich auf und es geht weiter auf einer Staub- und Schotterstraße mit wellblechartigen Strecken. Das hätte für mich schon gereicht. Aber nein, auf Tomi’s Plan steht der Gentle Anni Trail! Und da geht es auf Staubpisten steil hinunter. Teilweise sieht man garnicht, wo die Straße weitergeht, so steil ist es. Mir graust’s schon vor dem Hochfahren!

Tomi: ja, ich bin auch schon gespannt, was uns erwartet, Trail hört sich ja spannend an. Angekommen am Trail kommen die ersten Zweifel auf, sind wir hier richtig? Aber nichts anmerken lassen, immer lässig bleiben. Es war wie Achterbahn, es ging in Wellen teilweise richtig steil runter, an einer Kuppe angekommen, hat man nicht gesehen, wie es hinter der nächsten Kuppe weitergeht. Nach der 3.Kuppe sind wir umgedreht und haben getestet ob wir überhaupt wieder hochkommen. Der Test hat geklappt, mal schauen, wie die Rückfahrt wird, wenn wir die komplette Strecke fahren müssen. Daggi hat gemeint, sie geht zu Fuß, wenn es ihr zuviel wird, dann mal viel Spaß, den Trail marschiert man bestimmt 2 Stunden (vielleicht geh ich mit ihr)!

Wir fahren eine gefühlte Stunde nach unten (in Wirklichkeit waren es 20 Minuten) und kommen auf einen Parkplatz mit Plumpsklo. Ein Auto steht schon da, vier chinesische Einwanderer. Ein Stück weiter ist ein kleiner Fluss, mit vielen großen Steinen, da könnte man sogar baden. Gegen Abend kommen noch zwei Fahrzeuge, wir sind also nicht ganz allein in diesem abgelegenen Tal. Bei uns gibt es zum Abendessen einen Wurstsalat mit Essiggurken! Leider wird es gleich kalt, sobald die Sonne weg ist und wir schlüpfen bald in unsere Betten.

Mittwoch, 08.03.2017

Die Nacht war richtig kalt, Tomi hat sogar mit dem warmen Bettzeug gefroren. Heute ist es bewölkt, manchmal kommt die Sonne durch und es ist sehr windig. Die anderen Gefährte fahren vormittags ab, dafür kommen zwei Autos mit Fischern. Hier ist ja richtig was los! Gegen Nachmittag fahren auch die Fischer wieder hinauf und wir sind ganz allein. Nein, stimmt nicht ganz. Ein neugieriges Kängurumännchen leistet uns nachmittags und abends Gesellschaft und wartet drauf, dass vom Essen was abfällt. Er kommt immer näher und zum Schluss müssen wir ihn vertreiben, sonst würde er noch die Reste vom Tisch klauen.

Freitag, 10.03.2017

Nachts hatten wir wieder einen gigantischen Sternenhimmel. Leider war es eisig kalt. Auch morgens zum Frühstück, so gegen 9 Uhr, brauche ich Socken und Jacke. In der Sonne kann man es nicht aushalten, im Schatten ist es richtig kalt. Es ist kein Wölkchen am Himmel und nach einer „Dusche“ im Fluss geht es die steilen Serpentinen wieder hinauf.

Ich bin etwas verspannt, aber es sah von oben schlimmer aus, als es jetzt beim rauffahren ist. Der Toyota und Tomi meistern die Steigungen, teilweise ungefähr 30%, souverän. Nach dem Track bleibt die Straße unbefestigt, wir ziehen eine Staubwolke hinter uns her.

Nach einem halben Tag kommen wir wieder in der Zivilisation an, in Yass, einem kleinen Ort. Dort gehen wir auf den Campingplatz und stellen fest, dass der Staub nicht nur auf der Straße war, sondern auch pfundweise in unserem Auto verteilt. Die hintere Tür ist anscheinend nicht dicht. Da ist erst mal putzen angesagt. Und waschen, und aufladen aller elektronischen Geräte, und Wasser auffüllen und sonstige haushaltsmäßige Arbeiten.

 

Published inAustralien

5 Comments

  1. Bea Bea

    Jesasss!
    Ist das aufregend euren Berichten zu folgen. Also das mit dem Trail, da wurde mir schon vom Lesen mulmig:-) Aber das ist Abenteuer und ihr besteht das meisterlich.
    Ich freue mich so für euch und wünsche euch weiterhin eine aufregende Reise und sichere Fahrt. „Toyota“ scheint ja unverwüstlich zu sein! Möge er euch lange gute Dienst leisten!!
    Hier steht der Frühling vor der Tür, aber so ganz traut er sich noch nicht rein.
    Wir waren gestern a bisserl in Grünwald spazieren, immer in der Sonne, aber eisiger Wind. Als Belohnung nach einem langen Spaziergang haben wir uns ein Wiener Schnitzel beim „Alten Wirt“ gegönnt. So was von lecker, Cay a Bier dazu und ich Mondino Spritz (Aperol gibt’s dort nicht, da es ein reines Bio-Restaurant-Hotel ist). Auch gut, auch lecker.
    Pfad eich, d’Beate

  2. Fatima Fatima

    Australien: da ist ja mehr Abenteuer drin, als in ganz Asien. Weiterhin viel Spaß.Übrigens: auch vor 30 Jahren war Canberra ein bisschen öde…
    Hang in there, Fatima

  3. Ina Ina

    Tolle Berichte! Ich werde Eure Reise weiter verfolgen. Danke nochmal für den tollen letzten Abend!

    LG Michael und Ina aus Wuppertal

  4. Hanna Hanna

    Hallo ins ferne Australien,
    ist ja richtig schön. Ich habe auch den Eindruck, dass Tom recht relax ist. Zum Pferderennen müßt ihr ja dann nicht mehr nach England. Weiterhin gute Fahrt mit dem Toyota. (Meist recht zuverlässig!).
    Liebe Grüße
    Hanna

  5. Andrea und Franz Andrea und Franz

    Liebe Grüße nach Australien!
    Es hört sich wirklich sehr spannend an, was ihr da so erlebt. Tomi: Wie da so das Känguru neben dir steht – mir wäre das nicht geheuer. Diese Tiere sind ja nun wirklich schon sehr gewaltig.
    Und Daggi: Dein Outfit passte doch perfekt zum Pferderennen. Du hattest beim Laufen bestimmt weniger Probleme als so manche Lady in ihren Schuhen :0).
    Mit eurem Toyota ganz viel Glück. So ein ‚alter‘ Wagen, der so gut eingefahren ist, hält euch bestimmt lange die Treue!
    Viele liebe Grüße aus München.
    Hier scheint die Sonne wunderbar vom Himmel und der Frühling ist zum Greifen nah.
    Andrea

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